Gemaltes und Bemaltes

In meinem ersten Leben war ich eine Kunstlehrerin. Ich habe immer schon sehr gerne gemalt und gezeichnet, vor meinem Studium, während des Studiums und auch während meiner Tätigkeit als Gestaltungslehrerin in verschiedenen Medienbildungsgängen.

Acrylfarbe, Kreide und Buntstifte auf Leinwand
 Mein Skizzenbuch hat mich immer begleitet und ich habe unermüdlich alle Menschen um mich herum gezeichnet: Meine Schüler, meine Freundinnen und die gerade aktuellen Männer in meinem Leben.
Meistens fanden sich die Porträtierten nicht gut getroffen. Zu alt, zu depressiv und auf jeden Fall alles andere als schmeichelhaft. Tja, wie gut, dass ich jetzt in die Porträtfotografie gewechselt bin, es ist doch schöner Menschen mit den Porträts, die man schafft, glücklich zu machen.
 Einige Skizzen, wie hier die von einem Schüler, den ich auf unserer Klassenfahrt gezeichnet habe, haben es dann noch auf Leinwand geschafft und sind farbig geworden.

Auch der schöne junge Bekannte, den ich in meinem Referendariat kennen gelernt habe, ist aus dem Skizzenbuch zusammen mit anderen Musikern auf einer Leinwand zu einem Bild  geworden.

Mit den Leinwänden habe ich gerne meine Wohnungen dekoriert, die letzte war grün und orange eingerichtet: ein Raum in Frühlingsgrün  gestrichen (inklusive der Möbel) und der andere in Weiß und Orange. Es war mir ein tiefes inneres Bedürfnis zwischen farbigen Wänden zu leben, da mir mein damaliger Ex-freund in der Zeit unseres Zusammenlebens verboten hat, die Wände anders als Weiß zu streichen. Na, da war ich noch jung, dumm und gehorsam.

Ausschnitt aus einem Acrylbild

 
Ausschnitt aus einem Acrylbild

Von diesen frühlingsgrünen Bildern haben es immerhin drei in meine derzeitige Studiowohnung geschafft. Ich habe nämlich sehr viele Leinwände an Freunde und Bekannte verschenkt und die Beta-Bilder, die ich nicht mehr gut fand, in der Diakonie abgegeben, zusammen mit alter Kleidung und nicht mehr benötigten Möbeln. Mein treuster Fan, meine Freundin A., hat fast einen Herzinfarkt bekommen als sie das gehört hat und hat tatsächlich noch welche wieder auslösen können. Die werde ich jetzt in Ehren halten. Aber mal ehrlich: Ist es nicht besser irgendwelche Leute freuen sich, weil sie für kleines Geld noch ein paar bemalte Leinwände kaufen können und hängen sich die dann in die Wohnung, als dass die Bilder in meinem Keller verschimmeln ?

 Zeichnungen sind da praktischer, da sie nicht so viel Platz weg nehmen ;).
Man kann sie in einer Mappe aufbewahren und bei Bedarf auch rahmen und in die Wohnung hängen.




 Das obere Bild, das ich nach einem Foto von einer Freundin gemalt habe (bis auf die Engelchen, die habe ich mir noch ausgedacht - der abgestürzte Amor passte damals zu den Lebensumständen der Freundin) habe ich sogar verkaufen können. Nicht an die Freundin, die hatte es in ihrem Büro hängen. Aber eine Besucherin fand es so gut, dass sie es unbedingt erwerben wollte. Ich hab dann der Freundin ein anderes Bild für ihr Büro gegeben.

 Ich hatte lange Jahre mit Depressionen zu kämpfen (ist ja nicht ungewöhnlich bei Künstlern - na und bei anderen Menschen inzwischen auch nicht mehr). In der psychosomatischen Klinik Schloss Pröbsting, in der ich mehrmals wieder aufgepäppelt wurde, habe ich immer sehr viel gemalt.
Die Bilderserie einer imaginären Wüstenreise (meine damalige Katze (sitzt mit Sonnenbrille auf dem Kamel) und ich sind auf jedem Bild vertreten) habe ich nach der Trennung von einem langjährigen Lebensgefährten gemalt. Er war, neben anderen Problemen, ein Messie und die Wüstenlandschaften haben mich wahrscheinlich in ihrer Kargheit und Übersichtlichkeit angesprochen.

 Dieses Bild habe ich als erfahrene Depressionspatientin "Das innere Kind" genannt.
Auf einer Ausstellungsreihe zu dem Thema "Kunst gegen Depression", die ich nach meinem 2. Klinikaufenthalt organisiert habe, ist es von einem Oberarzt einer anderen Psychiatrie gekauft worden. Ich habe dabei einige Bilder verkauft, den Erlös allerdings der Stiftung Tannenhof in Remscheid gespendet.









"Hat sie wieder ihre Migräne"

"Lass dich nicht so hängen", den Spruch bekommt man als Depressionspatient oft zu hören.







So sahen die Zeichnungen in meinen Skizzenbüchern aus. Bis auf gelegentliche Zeichnungen mit Farbstiften, habe ich meistens den Kugelschreiber als Zeicheninstrument bevorzugt.





In der orange-weißen und frühlingsgrünen Wohnung habe ich damit begonnen, ausschließlich alte Möbel zu kaufen und sie zu bemalen.

Die bemalten Möbel habe ich vor meinem Umzug nach Remscheid wieder verkauft. Sie passten nicht in meine zukünftige Studiowohnung. Die wollte ich eher in zurückhaltenden Farben gestalten.

Schließlich mache ich viele Porträts von Männern. Und welcher Kerl lässt sich schon in einem pinken Sessel fotografieren, oder vor Möbeln mit Blümchen drauf ?















In meinem Remscheider Fotostudio habe ich weiter Möbel bemalt, aber ohne Blümchen und in neutraleren Farben wie Gold, Silber, Grau, Weiß und Creme. Bemalte Leinwände dienen hier nur noch als Fotohintergründe für Porträts.




Kleinere Zeichnungen machen sich auch gut in verschnörkelten Rahmen als Dekoration.


Das Sofa habe ich auch bemalt. Dazu kann man Acrylfarbe mit einem Stoff-Malmedium mischen. Allerdings klappt das bei flach gewebten Möbelstoffen besser als bei diesem plüschigen Bezug.


Da die bemalten Leinwände mir irgendwann als farbige Hintergründe zu langweilig wurden und auch immer vom Format her zu klein waren, habe ich schließlich begonnen, zwei meiner drei Studioräume farbig zu gestalten.
Ein Raum wurde silber und grau und der andere gold und kupfer. Ich habe Acrylfarbe, Küchenschwämme und einen Spachtel verwendet.
Und als mir dann schließlich die Wände ausgingen, ergab sich die Möglichkeit eine an das Studio angrenzende Werkstatt dazu zu mieten. Mal sehen welche Wandgestaltungen ich dort umsetzen werde.


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